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Die Geschichte vom Mondschwindel

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Und was war mit John Herschel? Er erfuhr nur wenig später durch den Jamaikaner Caleb Weeks, der in New York als Leiter einer Tierschau lebte und in Afrika neue Tiere kaufen wollte. Er hatte einige Ausgaben im Gepäck, da er hoffte, in Südafrika auf Herschel zu treffen, was ihm auch in einem Hotel in Kapstadt gelang, in das er immer kam, etwas um dort die aktuellen Tageszeitungen zu lesen. Weeks und Herschel trafen schließlich zusammen und letzterer war mehr als überrascht, dass das Edinburgher Fachblatt Ergebnisse publiziert haben soll, die er noch gar nicht niedergeschrieben habe. Weeks händigte ihm daraufhin die betreffenden Ausgaben von „The Sun“ aus und er fing herzhaft an zu lachen. Er wertete den Mondschindel nicht als einen persönlichen Angriff gegen ihn. Lediglich in Großbritannien war man mehr als ungehalten und richtiggehend verärgert ob der vermeintlichen Beleidigung des Sir John Herschel. Im übrigen Europa wurde der „Mondschwindel“ zu einem großen Lacherfolg.

Das täuschte allerdings nicht darüber hinweg, dass künftig alle aus den Vereinigten Staaten gemeldeten ,,Entdeckungen" naturwissenschaftlicher Art zunächst einmal mit großem Misstrauen aufgenommen wurden.

Neben der recht amüsanten Geschichte, die der „Mondschwindel" bietet, zeigt seine Aufnahme in der &OUML;ffentlichkeit doch auf etwas sehr Bedenkliches: Es war nämlich bekannt, dass unter den Zweiflern an dem Wahrheitsgehalt nicht ein einziger Wissenschaftler war. Es waren einfache Menschen, die zwar in astronomischen Standardwerken gelesen hatten, dass der Mond praktisch ohne Lufthülle sein musste, denen jedoch nicht geglaubt wurde. Die meisten Menschen freuten sich sogar darüber, dass die Astronomen mit ihrer „weltentrückten Sicht" vermutlich unrecht hatten. Das Problem liegt auf der anderen Seite aber auch in der Tatsache begründet, dass Herschel keinerlei Öffentlichkeitsarbeit betrieb, um ungestört arbeiten zu können. Dass er damit aber Anlass zu den wildesten Spekulationen gegeben hatte, kam ihm wohl nie so recht in den Sinn.

Das Fazit dieser geschichtlichen Betrachtung kann nur lauten: Das Wissen der Astronomie um die tatsächlichen Zusammenhänge im Kosmos und deren physikalischen Auswirkungen, die nicht metaphysischer oder religiöser Art sind, müssen offenbart werden, um nicht Gefahr zu laufen, dass die Arbeit ganzer Generationen umsonst war!

Wenn man auch über die Geschichte mit dem „Mondschwindel" ein wenig lächeln mag, so schaue man sich heute nur mal genauer gewisse Tageszeitungen an oder denke an die unsägliche „Story" mit dem Marsgesicht, das zwar inzwischen erwartungsgemäß als Erosionsform enttarnt wurde. Deren Anhänger aber haben sich von den Aufnahmen der amerikanischen Mars Global Surveyor-Sonde nicht überzeugen lassen, denn sie gehen nun davon aus, dass es bei der NASA eine Verschwörung gibt, die verhindert, dass die „echten" Bilder an die &OUML;ffentlichkeit gelangen...


Quellen:

Willy Ley, Die Himmelskunde, Düsseldorf (1965)
http://www.alien.de
http://www.bernd-leitenberger.de

  
Astronomie in Theorie und Praxis: Einführungs - und Nachschlagewerk mit Formeln, Fakten, Hintergründen
Siehe auch:
Astronomie: Die kosmische Perspektive
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Drehbare Himmelskarte: Zu jeder Stunde wissen,...
Astronomie und Astrophysik: Ein Grundkurs
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