Erfrischend anders
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Das Hamlet-Komplott: Roman (Gebundene Ausgabe) Was haben Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich von Kleist, August Wilhelm Schlegel, Ludwig Tieck und Madame de Staël mit einem fahrenden Theaterkarren und einem schauspielernden Hund zu tun? Wenn man Robert Löhr Glauben schenkt - eine ganze Menge!

Die Truppe macht sich von der Schweiz aus auf, um Kleist aus französischer Gefangenschaft zu retten. Dieser konnte seinem Gefängnis allerdings bereits entkommen und sucht seinerseits ein heiliges Gut - die Reichskrone. Sie könnte über das Schicksal Preußens und Europas entscheiden und die Geschichte maßgeblich beeinflussen. Der Rest der illustren Truppe heftet sich auf seine Fersen und holt Kleist und seine gerettete Reichskrone recht zügig ein. Die "Beschützer der Reichskrone" werden von Napoleons Schergen und anderen finsteren Gestalten verfolgt. Um die Reisekasse aufzubessern, sind sich die hohen Herrschaften nicht zu fein, als Wanderbühne den Hamlet zu präsentieren - mangels ausreichender Anzahl an Schauspielern herzig unterstützt von einem talentierten Hund. Eine turbulente Reise durch das Europa zu Napoleons Zeiten nimmt ihren Lauf! Wer Feind, wer Freund - das vermag man manchmal nicht mehr zu unterscheiden.

Die Geschichte braucht eine Weile, bis sie richtig Fahrt aufnimmt, auch im weiteren Verlauf sind leider hier und da Längen zu beklagen. Dennoch ist das Buch insgesamt kurzweilig und es unterhält auf amüsante Art. Vor historischem Hintergrund irgendwo angesiedelt zwischen Abenteuerroman, Räuberpistole und rasanter Verfolgungsjagd fällt es schwer, dieses Buch wirklich in eine Schublade zu sperren. Die extrem gezierte Aussprache kommt an einigen Stellen eher hölzern rüber, die Zitate aus den Werken der Weltliteratur gehen bedauerlicher Weise auch ein wenig unter.

Gewiss ist es nicht ganz fair, "Das Hamlet-Komplott" am Vorgänger ("Das Erlkönig-Manöver") zu messen, aber wer quasi eine Fortsetzung schreibt, wird damit leider leben müssen. Die Dialoge sind dem Autor im Vergleich dieses Mal leider nicht so spritzig gelungen, auch bleiben die Charaktere deutlich flacher. Den unglaublichen Wortwitz, das gekonnte Spiel mit Worten und Zitaten, habe ich in diesem Buch leider über weite Strecken vermisst. Persönlich verübele ich dem Autor das "Massensterben" zum Ende des Buches hin. Fast scheint es so, als wollte er hier überflüssige Figuren einfach schnell entsorgen. Das Ende ist so angelegt, dass eine weitere Fortsetzung schier unausweichlich scheint. Hier bin ich mir nicht sicher, ob ich einem dritten Band entgegenfiebere.

Trotz aller Kritik ist "Das Hamlet-Komplott" ein lesenswertes Buch, das intelligente Unterhaltung garantiert, weil es einfach erfrischend anders ist. Sich all diese historischen Herrschaften als fehlbare und wahrlich nicht perfekte Menschen in absurden Situationen vorzustellen - das macht einfach Spaß!
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 27. April 2010
Kundenrezensionen:
3. Erfrischend anders (die aktuell angezeigte Rezension)
2. Lesen oder Nichtlesen- das ist hier überhaupt keine Frage!
1. Unterwegs mit den alten Meistern...
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