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Die Geschichte vom Mondschwindel

Description:  Das Wissen der Astronomie um die tatsächlichen Zusammenhänge im Kosmos und deren physikalischen Auswirkungen, die nicht metaphysischer oder religiöser Art sind, müssen offenbart werden.
Author:Manfred Holl
deutsch
  
ISBN: 1405460318   ISBN: 1405460318   ISBN: 1405460318   ISBN: 1405460318 
 
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Die Geschichte vom „Mondschwindel“

Mindestens einmal im Jahr, zumeist um den Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung durch Armstrong und Aldrin am 21. Juli 1969 herum, taucht in der Presse, freilich in verschiedenen Variationen, der „Moon-Hoax“ auf: Danach war die Mondlandung ein einziger Schwindel und die Astronauten nie wirklich auf dem Erdtrabanten gelandet. So neu sind Geschichten über den Mond nicht und auch nicht immer Produkte fantasievoller Science Fiction-Autoren. Und: es gab sie bereits vor mehr als 200 Jahren.

Um 1610 herum wurde das Fernrohr erfunden und damit das Zeitalter der teleskopischen Beobachtung des Himmels und seiner Gestirne eingeläutet. Galileo Galilei hat als erster 1610 mit einem einfachen Fernrohr neben den Sonnenflecken und den Jupitermonden vor allem auch die Oberfläche des Erdmondes beobachtet, die verschiedenen Formationen auf seiner Oberfläche beobachtet und studiert. Er fand unzählige Krater, Bergketten, Hügel, tiefe Furchen und Rillen und bezeichnete die in seinem schwach vergrößernden Fernrohr dunkel erscheinenden, glatten Flächen als Mondmeere (in Analogie zu den Weltmeeren).

Von einer genauen Kenntnis, was die im Fernrohr sichtbaren Mondformationen tatsächlich darstellten, war man indes auch im 19. Jahrhundert noch weit entfernt. Und die Annahme, dass der Mond bewohnt sei, war selbst noch bei Wissenschaftlern im 18. Jahrhundert weit verbreitet. Um 1790 hatte sich Wilhelm Herschel ernsthaft mit dieser Frage auseinander gesetzt und 1822 hatte der Astronom Franz von Paula Gruithuisen eine Schrift über eine bewohnte Mondstadt veröffentlicht. Die älteste frei erfundene Geschichte über einen bewohnten Mond stammt von dem Griechen Lukian von Samosata aus dem Jahr 160 n. Chr., der von großen Armeen auf den lunaren Schlachtfeldern berichtete, ohne diese jedoch wirklich gesehen zu haben und Plutarch sah in dem Erdtrabanten die Heimstatt der Toten. Noch Kepler glaubte an Mondbewohner, die er Levanier nannte, die sehr groß und von ungewöhnlicher Statur waren.

Im November 1833 unternahm Sir John Herschel (1792-1871), der Sohn des Uranusentdeckers Sir William Herschel (1738-1822) eine Reise nach Südafrika, um dort den Südhimmel zu erforschen und zu kartographieren. Zu seinem Reisegepäck gehörten ein 5“-Refraktor und ein 18“-Spiegelteleskop – die beiden größten bis dahin auf der Südhalbkugel der Erde eingesetzten Fernrohre.

Einige Zeit später, als er längst mit seinen Beobachtungen begonnen hatte, ohne dabei jedoch zu greifbaren Ergebnissen gekommen zu sein, schrieb der bis dahin noch recht unbekannte Richard Adams Locke einen Essay für die New Yorker Tageszeitung ,,The Sun" und erhielt dafür 150 Dollar. Er war übrigens ein naher Verwandter des bekannten Philosophen John Locke, nicht aber einer seiner Nachfahren, wie etwa von Edgar Allen Poe, seinerzeit Herausgeber des „Southern Literary Messenger“ in Richmond, Virginia behauptet.

Die Herausgeber der „The Sun“ zeigten sich zufrieden und forderten den jungen Autor auf, gegen entsprechenden Lohn noch mehr Texte zu verfassen. Richard A. Locke hatte kurz zuvor einen aus dem Jahre 1826 stammenden Band des „Edinburgh New Philosophical Journal" gelesen, der unter anderem einen Artikel über die Bewohner fremder Welten, insbesondere des Mondes, beinhaltete. Dieser Artikel regte Locke dazu an, für ein Honorar von nochmals 150 Dollar einen mehrteiligen Essay, wie er für „The Sun“ üblich war, zu schreiben.

Außerdem hatte er kurz zuvor von der Reise Herschels nach Südafrika gehört, und das dieser den südlichen Sternhimmel erforschen wollte, der seit jeher als geheimnisumwittert galt. Aus der gefährlichen Vermischung von Dichtung und Wahrheit entstand dann der ,,Mondschwindel", von dem die meisten zunächst gar nicht ahnten, dass er einer war. Denn Sir John Herschel war in Südafrika praktisch von der Außenwelt abgeschnitten, man hörte nichts von seinen Arbeiten, wie er auch nichts von den Aktivitäten in Europa oder Amerika erfuhr. So kam es, dass die phantastische Geschichte, denn mehr war sie wirklich nicht, die uns der ,,Mondschwindel" erzählt, für bare Münze gehalten wurde. Schließlich war der ,,Hauptdarsteller" der Story ein anerkannter und in aller Welt geschätzter Berufsastronom und außerdem zogen selbst die professionellen Himmelsforscher in Amerika die Möglichkeit in Betracht, dass der ,,Mondschwindel" doch wahr sein konnte.

  
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